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Falsche Versprechen im Bewerbungsprozess. Oder: Wann haben wir aufgehört, uns gegenseitig ernst zu nehmen?
Ich lese seit Jahren Ratschläge für Bewerber. Und je mehr ich lese, desto deutlicher wird, was dahintersteckt: Klein sein. Anpassen. Dankbar sein. Und bloß nicht zu viel wollen. Irgendwann ist aus dem Fachmann, dem Problemlöser, dem Menschen mit Erfahrung und Kenntnis ein Antragsteller geworden. Jemand, der wartet. Der hofft. Der sich freut, überhaupt gehört zu werden. Nirgendwo sonst läuft das so ab. Nicht beim Arzt. Nicht auf dem Amt. Nur hier, im Bewerbungsprozess, wird systematisch vergessen, dass beide Seiten etwas suchen.
Das Unternehmen hat ein Problem. Es braucht jemanden, der es löst. Der Bewerber ist nicht Bittsteller. Er ist Antwort auf eine Frage, die das Unternehmen selbst gestellt hat. Wer das vergisst, darf sich nicht wundern, wenn Fachleute irgendwann aufhören zu antworten.

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